Sonnenquintett

Sonnenquintett? Das klingt wie ein Musikstück, ist aber ein Plastikzyklus aus fünf Köpfen, sozusagen ein plastisches Pentaptychon (So nennt man einen Flügelaltar, der aus fünf Bildern besteht.)

Ich werde jetzt ein wenig von dem erzählen, was hinter den Figuren steckt, also von meinen Ideen und Intentionen. Zuerst zähle ich mal auf, was da alles in dem Figurenzyklus vorhanden ist.

1. Die Kopfhaltung des Christus in Leonardo da Vinci’s Abendmahl
2. Die schnell gearbeitete Plastik
3. Die Individualität
4. Die unfertige Individualität
5. Verschiedene Kopfhaltungen und ihre Aussage
6. Blick nach Süden Richtung Sonne – wie die Osterinselköpfe
7. Gestreckter Hals
8. Fünf verschiedene geometrische Sockel
9. Offenes Inneres von hinten zugänglich
10. Inneres Licht in der Winterzeit
11. Verschiedene Keramiksorten
12. Teilweise Kopfputz
13. Alle haben einen introvertierten Blick
14. Typen frei erfunden

Ich könnte jetzt zu jedem Punkt etwas erzählen, aber ich beschränke mich auf das Wichtigste. Alle fünf Figuren habe ich nach Süden aufgestellt, damit sie den Lauf der Sonne beobachten können. Ihre Köpfe habe ich demnach auch etwas nach oben ausgerichtet. Der lange Hals zeigt ein hoch hinaus Wollen dieses Menschen. Er reckt sich geradezu nach oben zur Sonne. Die Fünf betrachten tagtäglich den Zug der Sonne über den Himmel von Osten nach Westen. Im Winter, wenn die Sonne am tiefsten steht, leuchtet ihr inneres Licht in der Dunkelheit. Ich finde diese Gedanken wunderschön: Schau zur Sonne auf und wenn sie nicht oder kaum noch da ist, dann leuchte selbst!

Sonnenquintett Rückseite

Sehr wichtig war mir noch, dass jede Figur eine eigene Individualität darstellt. Dieses Individuelle, wie es jeder Mensch hat, wird in unserer Zeit oft nicht wahrgenommen und wenn doch, dann vielfach gehasst und bekämpft. Gerade deshalb mussten es einmalige Geschöpfe sein, die den Lauf der Sonne verfolgen. Dabei sind sie unfertig, das sieht man an der Oberfläche, die noch offen ist und nicht abgeschlossen. Sie sind also zur Entwicklung bereit. Gerade die schnell gearbeitete Plastik geht nicht auf die Vollendung ein, sondern beendet die Arbeit in einem unfertigen Zustand. Die Plastiken sind also so wie wir alle: unfertig.

Die Kopfhaltungen habe ich variiert, denn ich wollte erspüren, was eine bestimmte Kopfhaltung zu mir spricht: Ich habe die Haltungen nach rechts, links und gerade in das Quintett integriert. Gut erspüren kann man, wie der Einzelne sich beim Anblick der Sonne fühlt. VORSICHT In Wirklichkeit kann man die Sonne nicht anblicken, höchstens beim Sonnenauf- oder Sonnenuntergang.

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