Vollsinnig

Vollsinnig heißt dieser Langkopf nicht ohne Grund. Er ist ein Teil der sog. Sinnestrilogie: Gehörlos-Taubblind-Vollsinnig. Die Idee für diesen Kopf ergab sich aus der mehrfachen Beobachtung der Gesichtszüge beim modellieren anderer Köpfe. Irgendwann sprang es mich an. Mund, Nase, Augenbrauen sind Wellen in unterschiedlicher Biegung und Größe. Das mag langweilig klingen, aber mich hat es tief bewegt und fasziniert. Diese und andere unzählige Erlebnisse beim Schaffen von Köpfen und Gemälden sorgen mit dafür, dass ich damit immer weiter mache. Das ganze Gesicht ist also aus Wellen aufgebaut. Das wollte ich jetzt einmal herausarbeiten und habe mich auf diese Wellen konzentriert. Wie kann ich damit spielen? Diese Herangehensweise macht ein Gutteil der Faszination aus, die dabei entsteht. Was wird dabei herauskommen? Da liegt am Anfang fast nichts fest.

Beachtenswert ist, dass diese Welle ein M darstellt. Über das M könnte noch Vieles gesagt werden. Es weist in jedem Fall auf Wasser hin. Eine Möglichkeit wäre jetzt hier weiter zu arbeiten eine ganze Reihe vollsinniger Langköpfe zu schaffen, deren Wellen alle in einer anderen Art gestaltet sind….ein spannendes Projekt, zu dem es allerdings bis heute noch nicht gekommen ist.

Was ist an diesem Kopf denn vollsinnig? Die am Kopf angesiedelten Sinne sind: Geruchssinn, Sehsinn, Gehörsinn, Geschmackssinn, weniger sichtbar sind der Gleichgewichsinn, der Raumlagesinn, der Tastsinn und der Wärmesinn. Bei meiner Plastik habe ich auf die ersten vier beschränkt. Sie hat Augenhöhlen, von denen aus so etwas wie Ohren links und rechts der Nase herunterlaufen. Dann ist da eine große Nase für den Geruchssinn und ein Mund für den Geschmackssinn. Nicht ganz vollsinnig ist er, denn Augen hat er von seiner Art her erstmal nicht vertragen.

Vollsinnig ist eine einmalige Schöpfung, die in der Kunst keinerlei Vorbilder hat. Der Kopf in dieser Form entstammt ausschließlich aus meiner Seele.

Ich stelle ihn mir auf einem grünen Sockel vor und seine Augen könnten grüne Edelsteine sein. Diese Entwicklungsmöglichkeit ist noch vorhanden.

Langköpfe: Wie sie entstanden sind und wo sie noch vorkommen

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